HISTORIE DER TURNGEMEINDE MÜNSTER

Gründungsaufruf vom 11. August 1862 im „Westfälischen Merkur“, dessen Veröffentlichung als Geburtsstunde des Turnvereins Münster (TVM) angesehen wird. Der heutige Name „Turngemeinde Münster von 1862 e.V.“ tritt erst seit 1951 auf.

Frisch! Fromm! Fröhlich! Frei!

Nach dem Vorbilde der meisten Städte Deutschlands hat sich in diesen Tagen auch in Münster ein Turnverein gebildet, der es sich zur Aufgabe stelle, durch regelmäßige Körperübungen nach den Vorschriften der Turnkunst, in Verbindung mit Turnfahrten und Turnfesten, nach jede Richtung hin die möglichste Gewandtheit und Körperkraft zu erzielen dadurch zur Wehrhaftigkeit des deutschen Volkes beizutragen.

Der Eintritt in den Verein steht Jedem frei, der unbescholten ist und das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat, welchem Stande er auch angehören mag. Wer das dreißigste Lebensjahr überschritten hat und nicht mit turnen will, oder wer aus körperlichen Rücksichten an den Turnübungen nicht theilnehmen darf, kann dem Vereine als Turnfreund beitreten und hat im Uebrigen mit den wirklichen Turnern gleiche Rechte und Pflichten.

Der Turnverein zählt gegenwärtig schon gegen hundert Mitglieder und hat seine Uebungen begonnen. Die nöthigen Turngeräthe werden binnen Kurzem auf dem vom Verein beschafften Turnplatze aufgestellt werden, und es sind bereits die erforderlichen Schritte gethan, um für die Wintermonate eine einstweilige Turnhalle herzustellen. Der Bau einer eigenen Turnhalle wird in Aussicht genommen werden, sobald es die Mittel des Vereins und Anzahl seiner Mitglieder irgendwie erlauben. Die vorläufig angenommenen Satzungen, des Vereins werden eine späteren Haupt-Versammlung zu endgültigen Feststellung unterbreitet werden.

Der bis zum 18. Oktober dieses Jahres gewählte Turnrath ladet durch Gegenwärtiges seine Mitbürger zum Beitritt ein. Möge sich Niemand dem daran gelegen ist, seine Gesundheit und Körperkraft zu fördern, durch falsche Vorurtheile vom Eintritte in den Verein abhalten lassen! Jeder bis jetzt beigetretene Turner und Turnfreund wird mit allen Kräften dahin wirken, dass der Münstersche Turnverein niemals seinen eigentlichen und wahren Zweck aus den Augen setzt.

Diese Versicherung gibt
Münster am Geburtstage F r i e d r ich L u d w i g Jahn’s (11. August) im Namen des Turnvereins von Münster der einstweilige Turn-Rath

Morgen, den 12.d.M, Abends 8 Uhr Versammlung auf dem bekannten Turnplatz möglichst in Turn-Kleidung. Uebermorgen den 13. d. M., Abends 8 Uhr , Beratung auf dem großen Saale des Herrn Schwarz.

Münster, den 11. August 1862
Der einstweilige Turn-Rath

Der Appell richtete sich damals an die männliche Bevölkerung im Alter von 18 bis 30 Jahren. Erst im Jahre 1902 rief Wilhelm Becker – von 1890 bis 1892 der erste Turnwart des Turnvereins und spätere 2. Vorsitzende – eine Frauenabteilung ins Leben. Sprecher des im Gründungsaufrufs bezeichneten einstweiligen „Turn-Raths“ war der königliche Justizrat Leesemann, der von 1862 bis zu seinem Tode 1880 das Amt des 1. Vorsitzenden des TVM bekleidete. „Turnen war eine Form der Erziehung, und vor allem: Es war eine vaterländische Sache. Turnen bedeutet Pflege und Stählung des Körpers im Dienste des deutschen Vaterlandes für Kaiser und Reich. Dieses war das Credo der Deutschen Turnerschaft (DT), einer der größten nationalen, konservativen Verbände, dem fast alle deutschen Turnvereine angehörten“.

Turnen war im damaligen Verständnis mehr als Sport, da nicht allein die Übungen an den verschiedenen Turngeräten, die Freiübungen, das Laufen, Springen, Werfen und die Turnspiele dazugehörten, sondern darüber hinaus Geselligkeit, Turnfeste, Turnlieder und Turnfahrten. Dem Vereinsvorstand gehörten zu dieser Zeit überwiegend Herren aus den gebildeten und wohlhabenden Schichten an: höhere und mittlere Beamte, Ärzte, Lehrer, Kaufleute, selbstständige Handwerker. Da während des Krieges 219 der 300 Turner eingezogen wurden, kam der Turnbetrieb fast zum Erliegen.

Die Entwicklung in den Jahren 1919 bis 1932

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges fing man fast wieder von vorne an. Mit der Rückkehr der Turnbrüder, die den Krieg überlebt hatten, nahm auch die Zahl der Übungsstunden wieder zu, doch erreichte die Zahl der Mitglieder nicht den Vorkriegsstand. 1919 schloss man sich mit dem Spielverein Münster 09 und dem Ballspielverein Münster 06 zusammen und nannte sich folgerichtig „Turn- und Spielverein von 1862“.

„Die Vereinsehe mit den rein Rasensport treibenden Vereinen war nur von kurzer Dauer. Die sportlichen Auffassungen der ,Neuen‘ ließen sich mit den Idealen der Turner nicht vereinbaren. Die Fußballspieler schlossen Spielverträge ab, die die Vereinskasse extrem belasteten. Nach dem Scheitern des Zusammenschlusses nahm der Verein am 01. Januar 1920 seinen alten Namen „Turnverein Münster von 1862“ wieder an, der mit der Eintragung in das Vereinsregister den Zusatz e.V. erhielt“.

In den zwanziger Jahren gehörte der Turnverein Münster von 1862 (TVM oder TV 1862) neben dem SC Preußen 08, dem Ruderverein von 1882 (RVM) und dem Schwimmverein von 1891 (SV 91) zu den bedeutendsten, nichtkonfessionellen Sportvereinen der Stadt. Die bereits im Kaiserreich herrschende Vorstellung, Leibesübungen seien für die sittliche Erziehung und die militärische Vorbildung der Jugend notwendig, fand in der Weimarer Republik ihre Fortsetzung und wurde auch im TV 1862 vertreten.

Im Jahr 1924 kam es innerhalb des Vorstandes zu starken Meinungsverschiedenheiten über den inneren Turnbetrieb, die dazu führten, dass der 1. Vorsitzende Heinrich Olberg zusammen mit einigen älteren Mitgliedern den Verein verließ und den Turnverein „Friesen“ gründete. Dieser neue leistungssportlich orientierte Verein erfuhr in den Folgejahren eine beachtliche Steigerung der Mitgliederzahlen. Im Juli 1924 übernahm der Studienrat Anton Gudel die Vereinsführung des TV 1862 e.V. Seine erste Sorge galt der Sanierung und dem Ausbau der Turnhalle am Breul. Neben dieser Baumaßnahme errichtete der TVM in Verbindung mit den beiden Turnvereinen „Westfalia“ und „Jahn“ in Höhe der Wolbecker Landstraße ein neues Schwimmbad an der Werse, das so genannte „Turnerbad“. Zwar gab es hier bereits mehrere Badeanstalten, doch war man in Turnerkreisen der Meinung, dass das Schwimmen nicht ein Vorrecht von Sondervereinen war, sondern im Sinne umfassender Leibesübungen auch von Turnern betrieben werden sollte. Aus ähnlichen Motiven wurde im Jahr 1928 eine Paddelabteilung gegründet, die sich in den folgenden Jahren um die Errichtung eines eigenen Bootshauses kümmerte. Am 14. September 1931 konnte die neue Anlage in der Nähe des Turnerbades eröffnet werden.

Großen Aufschwung erlebte die Kinder- und Jugendabteilung dank des Engagements und persönlichen Einsatzes von Heinz Wallmeier. „Kein Verein Münsters durfte sich einer so zahlreichen Jugend erfreuen wie der Turnverein Münster“, heißt es in der Schrift zum 75-jährigen Bestehen des Vereins. „Die fürsorgliche Betreuung bestand nicht nur in der Stärkung des Willens durch turnerische Übungen, man suchte die Jugend geistig weiterzubilden durch die Bücherei, ihr Herz und Gemüt durch Unterhaltungs- und Elternabende, durch Weihnachtsfeiern zu heben. Fröhliche Wanderfahrten und die jährlichen Ferienlager auf der Insel Wangerooge erzogen die jungen Menschen zur Selbstständigkeit und Kameradschaftlichkeit. 1932 erhielt der Verein vom Preußischen Ministerium für Volkswohlfahrt als höchste Anerkennung die „Große Staatsplakette für Verdienste auf dem Gebiete der Jugendpflege und der Leibesübungen.

Die Jahre zwischen 1933 und 1945

Schon 1933 griff der Reichssportführer durch seine Aufforderungen bzw. Anordnungen massiv ins Innenleben der Vereine ein. Das Zauberwort ,Gleichschaltung‘ bedeutete in der Praxis Arisierung, Führerprinzip, soldatischen Geist, Ausrichtung auf Führer, Staat und Partei. Zur Wahl stand jetzt nur noch der erste Vorsitzende. Seinen Führerstab, der die Aufgaben des früheren Vorstandes zu übernehmen hatte, ernannte er ohne Mitwirkung einer Mitgliederversammlung. Er selbst bedurfte der Bestätigung durch den übergeordneten Sportführer, den zuständigen Repräsentanten der NSDAP. Nicht wenige Turner sahen in Adolf Hitler den „Testamentsvollstrecker“ des Turnvaters Jahn und erhoben keinen Einspruch gegen die Instrumentalisierung des Turnens zur „Volkserziehung“. Dass die nationalsozialistische Ideologie auch die Vereinspolitik unter dem damaligen Vorsitzenden und Ortsgruppenleiters der NSDAP Günther von Othegraven prägte, lassen sich an folgenden aus heutiger Sicht unakzeptablen Ausführungen in der Festschrift zum 75jährigen Bestehen erkennen: „Alle annehmbaren Sportarten werden in der Frauenabteilung betrieben, so dass Frauen und Mädchen jeden Alters dort ein reiches Übungsfeld und zahlreiche Gelegenheiten finden, ihren Körper stark zu machen und gesund zu erhalten zur Erfüllung der Aufgaben, zu denen sie als Frauen und Mütter im Dritten Reich berufen sind. Die sportlichen Leistungen unserer prachtvollen Mädel bezeugen den hohen Wert der Frauenabteilung.“

In den Jahren des Zweiten Weltkrieges kam insbesondere im Männerbereich das Sportleben mehr und mehr zum Erliegen. Als die Halle am Breul für eine Kornlagerung beschlagnahmt wurde, trafen sich die jugendlichen Turner und Turnerinnen zunächst in den Universitätsturnhallen am Domplatz und später in der Luftwaffenturnhalle auf der Loddenheide. Bei dem schweren Luftangriff auf Münster am 25. März 1945 wurde die Turnhalle am Breul restlos zerstört.

Der Neubeginn nach 1945

Anton Seidensticker wiederholt, um das Leben im Verein wieder in Gang zu bringen. Als erste gemeinsame Veranstaltung fand am 25. November 1945 eine Herbstwanderung nach Amelsbüren statt. An ihr nahmen 35 Turner und drei Turnerinnen teil. Am 3. März 1946 fand nach 4 Jahren zum ersten Mal wieder eine Mitgliederversammlung statt, auf der Harald Eimermacher zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde.

1946 riefen 15 Vereinen, unter ihnen der TVM, den Stadtverband für Leibesübungen in Münster, den späteren Stadtsportbund, wieder ins Leben. Der Stadtverband für Leibesübungen war im dritten Reich aufgelöst worden. Erster Vorsitzender wurde Harald Eimermacher. 1949 legte er den Vorsitz nieder, um als Bundesjugend- und später als Bundeskulturwart bei der Neugestaltung des Deutschen Turner-Bundes aktiv mitzuwirken. Von großer Bedeutung für die weitere Vereinsentwicklung war die Vereinigung der beiden Turnvereine „Friesen“ und TVM am 13. März 1947 unter dem Namen „Turnverein Münster von 1862 e.V.“. Die prekäre Hallensituation – anfänglich konnte man nur im Gebäude der Geistschule turnen – änderte sich für den TVM erst entscheidend 1951 mit dem Wiederaufbau der Breul-Halle.

Der Wandel zum Großverein

Zu markanten Ereignissen in der Geschichte des Vereins gerieten die Tage im Februar 1952. In der Jahreshauptversammlung am 4. Februar benannte er sich nach vorausgegangenen, heftigen Debatten in „Turngemeinde Münster von 1862″ um. In der Münsterschen Zeitung vom 6. Februar1952 heißt es dazu:

Der entscheidendste Punkt in der Tagesordnung war ohne Zweifel eine erneut vom Vorstand vorgetragene Namensänderung von ,Turnverein‘ in ,Turngemeinde‘, da die Turner Münsters ja sowieso eine große lebensbejahende Gemeinschaft darstellen, dabei die Ideale des Turnens, die Erfassung des ganzen Menschen in körperlicher, seelischer und geistiger Hinsicht fest verankert sind. Mit überwältigender Mehrheit wurde in geheimer Abstimmung die Namensänderung beschlossen, so dass von nun an die münsterschen Turner auch nach außen hin zum Ausdruck bringen, was sie in Wirklichkeit sind. Eine ,Turngemeinde‘, eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die trotz aller Verflachung und Materialisierung im sportlichen Leben der heutigen Zeit ihren Idealen treu bleiben“. Angesichts der Länge des Namens setzte sich bald die Abkürzung TG Münster oder noch kürzer TG in der Öffentlichkeit durch.

Am 15. Februar 1952 wurde in einer Feierstunde im Kaminsaal des Krameramtshauses ein Kulturrat aus allen Kreisen des geistigen· Lebens unter Vorsitz des Oberstudienrats Dr. Ludwig Humborg gegründet. Man war überzeugt, dass nicht jenem Turn- und Sportverein die erste Anerkennung gebührt, der die meisten Siege davonträgt, sondern dem, der den größten Teil seiner Mitglieder durch geordnete Leibesübungen zu geistig und seelisch gesunden Menschen erzieht. Auch bei Großveranstaltungen machte sich die TG einen Namen. Vor allem ist vielen älteren Münsteranern noch das einmalige Fest unter dem Titel „1000 turnen und tanzen“ in der Halle Münsterland im Jahre 1958 in Erinnerung.

Im Jubiläumsjahr 1962 richtete die TG in Gegenwart von Bundesfamilienminister Dr. Franz-Josef Wuermeling den Deutschen Jugendturntag aus, bei dem Dr. Harald Eimermacher sein Amt als Bundesjugendwart, das er seit 1950 bekleidete, niederlegte. Am 23. Juni tagte das höchste Parlament des DTB, der Deutsche Turntag, in Münster. Dr. Eimermacher erhielt für seine Verdienste die Jahn-Plakette, während der Verein selbst das DTB-Fahnenband verliehen bekam.

1962 wurde der Sportpark „Sentruper Höhe“ fertiggestellt und „der Turngemeinde mit Vorrang zur Nutzung übergeben“, wie der damalige Stadtschulrat Karl Hoss in seinem Werk „Der Sport in der Stadt Münster von 1945 bis 1976“ schrieb. Damit konnten insbesondere die Handballer und Leichtathleten über eine moderne Sportstätte verfügen. Des weiteren erhielt die Turnerjugend der TG für ihre Jugendarbeit eigenes Heim im Sportforum „Sentruper Höhe“.

Der Bau neuer Turnhallen in verschiedenen Stadtteilen erlaubte der TG, dort eigene Vereinsgruppen für Kinderturnen, Frauengymnastik und spielerisches Männerturnen zu bilden. Über tausend neue Mitglieder konnten auf diese Weise gewonnen werden. Einen zusätzlichen Mitgliederschub verzeichnete die Turngemeinde Münster durch die Aufnahme neuer Sportarten. 1964 kam es zur Gründung der Tennisabteilung, die sich an der Wienburg eine neue Sportanlage schuf. Im selben Jahr erwachte die Paddelabteilung in der Bootsanlage an der Werse zu neuem Leben, die Volleyballabteilung ihrerseits stieg in den Wettkampfsport ein. Einen bedeutenden Mitglieder-Boom verbuchte die TG mit der Aufnahme des Tanzsportclubs „Die Residenz“ im Jahr 1969. So stellte die TG 1970 mit ihren damals 4422 Mitgliedern den größten Turnverein im Bereich des Deutschen Turner-Bundes dar.

Die Zeit nach dem Vorsitz von Harald Eimermacher

Als Dr. Harald Eimermacher nach 25-jähriger Tätigkeit als Vorsitzender zurücktrat, war eine Neuorganisation des Vereins notwendig. Neben dem Vorstand, dessen Aufgabe vor allem in der Erledigung des laufenden Geschäftsbetriebs bestand, schuf man ein Präsidium, das sich in erster Linie für repräsentative Aufgaben zuständig fühlte. Zum 1. Präsidenten wurde Josef Ruwe, Regierungsvizepräsident in Münster, gewählt. Als seine Stellvertreter fungierten Bankpräsident a. D. Fritz Noppeney und Adolf Strothmann. Zum ersten Vorsitzenden wählte man den Kaufmann Herbert Fischer, damit war er zugleich für das operative Geschäft verantwortlich. Außerdem kümmerte sich ein mit zahlreichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Münster besetzter Beirat um die Unterstützung der Vereinsführung.

Die Zusammensetzung dieses Gremiums machte das Bestreben der Vereinsführung deutlich, gegenüber allen relevanten gesellschaftlichen Gruppierungen in der Stadt Münster Kontakte zu unterhalten. Zugleich wurde damit der überkonfessionelle, überparteiliche Anspruch der Turngemeinde unterstrichen. Bemerkenswert auch, wer bereit war, sich als Beiratsmitglied zur Verfügung zu stellen. Sicherlich ein Hinweis auf die Bedeutung und den Stellenwert der TG zu diesem Zeitpunkt. Aufgrund der stark gestiegenen Mitgliederzahl war es unumgänglich, in der Geschäftsstelle einen hauptamtlichen Geschäftsführer zu etablieren. Bis dahin hatte Anton Seidensticker als ehrenamtlicher Geschäftsführer die anfallenden Aufgaben erledigt. Erster Geschäftsführer wurde 1976 Klemens Schiffeliers, dem 1980 Wolfgang te Heesen folgte.

Auch die Folgejahre zeigten ein intensives Vereinsleben. 1976 führte man in der Halle Münsterland die Weltmeisterschaften in den Standardtänzen durch, 1980 wurde die anschließend so erfolgreiche Skateboard Abteilung von Titus Dittmann gegründet. 1983 trafen sich die Mitglieder wieder in der Halle Münsterland unter dem Motto „1000 turnen, tanzen und spielen“.

1987 folgte dann das Jahr des 125-jährigen Jubiläums mit vielen attraktiven Veranstaltungen. Herausragend: der World-Cup im Skateboardfahren, der World-Cup der Amateure in den Standardtänzen und das Stiftungsfest in der Halle Münsterland. Ausstellungen wie die Jubiläumsschau „Sport und Kunst“ unterstrichen, dass die TG auch weiterhin der kulturellen Orientierung des Vereins große Bedeutung zuschrieb. Ein Symposium mit namhaften Sportwissenschaftlern machte zudem deutlich, dass man sich auch inhaltlich mit der weiteren Sportentwicklung auseinandersetzte.

1987 hatte die Turngemeinde aber auch einen großen Verlust zu beklagen. In der Nacht vor der Eröffnung der Jubiläumswoche verstarb Herbert Fischer an Herzversagen. Er hatte das Amt des Vorstandsvorsitzenden seit der Änderung der Satzung im Jahr 1971 sechzehn Jahre lang bekleidet und die Entwicklung des Vereins entscheidend geprägt.

Als neuer Vorsitzender wurde 1988 Willy Früh gewählt. Er hatte sich vorgenommen, die Finanzlage zu verbessern, anstehende Bauvorhaben weiterzutreiben, das Sportangebot auszubauen und die Organisation sowie die Innen- und Außendarstellung zu verbessern. Ein besonderer Schwerpunkt im Arbeitsprogramm des neuen Vorstands war der Bau eines neuen TG-Centers. 1989 kandidierte Fritz Noppeney aus Altersgründen nicht wieder für das Amt des Präsidenten, das er 17 Jahre lang ausgeübt hatte. Da niemand bereit war, die Nachfolge anzutreten, blieb es zunächst unbesetzt.

Viele Pläne – viele Veränderungen

Das Jahr 1990 stellte in mehrfacher Hinsicht eine Zäsur in der Entwicklung des Vereins dar. Am 1. Januar 1990 wurde einvernehmlich die Fusion zwischen der „Residenz“ und der Turngemeinde beendet. Willy Früh verließ aus beruflichen Gründen Münster Anfang 1990, so dass neben dem Präsidenten auch ein neuer 1. Vorsitzender gefunden werden musste. Auf der Delegiertenversammlung im Mai 1990 wurde Dr. Hans-Georg Geißdörfer zum neuen Präsidenten und Hermann Bröcker zum ersten Vorsitzenden gewählt. In seiner Antrittsrede stellte Dr. Hans-Georg Geißdörfer ein neues Vereinszentrum in den Mittelpunkt seiner Ausführungen.

Bei der 1993 vorgenommenen Satzungsänderung schaffte man die 1971 eingeführte Doppelspitze – Präsident und erster Vorsitzender – wieder ab. Der Vorstand verkleinerte sich auf insgesamt zehn Personen – geführt von einem Präsidenten und dessen Stellvertreter. Auf der Mitgliederversammlung am 29. Januar 1993 wurde Dr. Hans-Georg Geißdörfer als Präsident wiedergewählt. Als Stellvertreterin fungierte Fränzes Arentz, der zwei Jahre später Joachim Reeker als Vize-Präsident nachfolgte.

In der Folgezeit bemühte man sich, das Kursprogramm zu erweitern und sich stärker für Nichtmitglieder zu öffnen. Es wurden Test-Tickets und Time-Tickets eingeführt. Diese fanden insbesondere im Gymnastikbereich großen Zuspruch. Allerdings zeigte sich bald, dass die Inhaber nur in sehr wenigen Fällen eine innere Bindung an die Turngemeinde hatten. In ihren Augen war die TG lediglich ein reiner Dienstleistungsbetrieb.

1994 gab es eine bedeutende Änderung in der Leitung der Geschäftsstelle. Wolfgang te Heesen, der sich während seiner 13-jährigen Tätigkeit zusammen Hajo Brink unter anderem bei der Organisation von Großveranstaltungen einen Namen gemacht hatte, wurde als Geschäftsführer von Joachim Reeker, dem damaligen Jugendwart der TG, abgelöst. Bei dem Namen Brink soll nicht unerwähnt bleiben, dass über Jahrzehnte die „Dynastie Brink“ zu den tragenden Säulen in der TG gehörten: Hajo Brink als langjähriger Oberturnwart, seine Frau Erika als Betreuerin der Leistungsturnerinnen und Gründerin der Wettkampfgymnastikgruppen (heutige RSG) und ihre Tochter Martina Brink führte die Arbeit ihrer Mutter über Jahre erfolgreich fort.

Mit der Schaffung einer neuen Beitragsordnung ein Jahr später, die den Abteilungen ein hohes Maß an Autonomie bei der Verwaltung ihrer Finanzen zubilligte, beschritt die TG neue Wege in der Vereinsentwicklung. Neben einem Dachvereins- gab es nun einen Abteilungsbeitrag, der allein von den jeweiligen Abteilungen verwaltet und bestimmt wurde. Die waren ab diesem Zeitpunkt für die Kalkulation ihres Haushaltes allein zuständig und damit auch für die Festlegung der Übungsleiterhonorare sowie für die Abteilungsbeiträge. Allerdings gab es noch eine vereinsinterne Sportförderung, mit der Abteilungen vom Gesamtverein gezielt finanziell unterstützt werden konnten.

Als 1997 Dr. Hans-Georg Geissdörfer auf Grund starker beruflicher Belastung vom Amt des Präsidenten zurücktrat, wurde Joachim Reeker sein Nachfolger, dem die beiden Vizepräsidenten Tanja Stücke und Markus Urban sowie später Klaus Zumdick zur Seite standen. Ziel des neuen Vorstandes war es unter anderem, den Einfluss der Turngemeinde Münster auf die lokale Sportentwicklung zu stärken und die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und dem Stadtsportbund zum Wohl der Sache zu intensivieren.

Ende 2001 setzte man diesen Anspruch tatkräftig in die Tat um. Die Verwaltung der Stadt hatte vorgeschlagen, die Vereine als Nutzer der kommunalen Sportstätten künftig zur Kasse zu bitten. Es sollten 2 € für jede dort vom Verein genutzte Stunde gezahlt werden. Der Protest der Vereine blieb nicht aus und führte nicht zuletzt auch deswegen zum Erfolg, weil man gemeinsam handelte. Die TG, insbesondere ihr Präsident Joachim Reeker, kann für sich verbuchen, dabei die Initialzündung gegeben und einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg des Protests geleistet zu haben. Mit der offiziellen Einweihung der neuen Dreifachsporthalle und den darin enthaltenen TG-Räumlichkeiten am 15. Februar 2003 wurden weitere, attraktive Voraussetzungen für die künftige Vereinsentwicklung geschaffen.